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Während sich in Frankreich das Krav Maga zunehmender Beliebtheit erfreut, weiß in Deutschland kaum jemand, was sich hinter diesen beiden hebräischen Begriffen verbirgt. Dies ist umso bedauerlicher, da es sich hierbei um eine, insbesondere für Sicherheits- bedienstete, sehr effektive Selbstverteidigungsart handelt.
Berührungskampf, oder auf hebräisch Krav Maga - in sekundenschnelle den Gegner außer Gefecht setzen - dies ist das Ziel eines 50 Jahre alten Nahkampfsystems.Israel befindet sich seit seiner Gründung im Jahre 1948 in einem ständigen Kampf gegen den Terrorismus. Die tägliche Gefahr einer terroristischen Konfrontation erfordert entschlossene und professionelle Abwehrmaßnahmen, gepaart mit Improvisationsvermögen.
Nicht nur auf dem Gebiet des Geheimdienstes, des Personenschutzes und bzgl. technischer Einsatzmittel verfügt Israel weltweit über einen hervorragenden Ruf. Auch das in Deutschland nahezu unbekannte Nahkampfsystem Krav Maga, bis 1964 als Militärgeheimnis eingestuft, steht in der Tradition israelischer Genialität. Als 1948 jüdische Widerstandsgruppen zur Tsahal (israelischer Armee) zusammengeschlossen wurden, war man auf der Suche nach einer Nahkampfversion, die
junge Rekruten innerhalb von sechs Monaten erlernen konnten. Die bisherigen Kampf-sportarten wie Karate und Judo galten als zu kompliziert. Zudem erforderten diese ein jahrelanges Training, um sich im Zweikampf auf Leben und Tod einigermaßen erfolgreich verteidigen zu können. Da besann man sich auf Imi Lichtenfeld, einen in Bratislava aufgewachsenen Immigranten jüdischer Herkunft. Aufbauend auf seinen Erfahrungen, die er in Straßenkämpfen in Bratislava und im Boxring
machte, entwickelte er eine sehr realistische Kampfkunst, das Krav Maga. Bereits in der Haganah, dem Vorgänger der Tsahal, unterwies er junge Einwanderer in die Geheimnisse der Selbstverteidigung. In der neuen israelischen Armee wurde der 1910 geborene Lichtenfeld Chef- ausbilder für Krav Maga. In den zwanzig Jahren seiner Militärzugehörigkeit entwickelte er dieses Nahkampfsystem weiter.
Heute dient es nicht nur als Selbstverteidigungsart der israelischen Polizei, der Armee und der Geheimdienste, sondern auch das FBI ist vom israelischen Weg überzeugt. Die französische Eliteeinheit GIGN, die durch die Erstürmung eines von algerischen Terroristen entführten Air France Flugzeuges (1994) bekannt wurde, hat diese realistische Kampfkunst vor zwei Jahren zum Bestandteil ihrer Ausbildung gemacht.
Das Erfolgsgeheimnis des Krav Maga liegt in der Einfachheit und Effizients, der Nutzung der natürlichen Reflexe sowie der Wahl des kürzesten Weges zum Gegner. Die Kraft- und Zeitersparnis der kurzen Techniken sind ein weiterer Vorteil. “Keep it simple!” Diesem Anspruch versucht Krav Maga gerecht zu werden. Auf Tritte in Kopfhöhe, die zur Instabilität führen, wird bewußt verzichtet. Die Techniken sollen sich, im Gegensatz zu anderen Selbstverteidigungsarten, nicht
durch Eleganz und Ästhetik auszeichnen, sondern durch einfache und leicht erlernbare, aber dennoch effektive Techniken. Neben Faustschlägen, tiefen Fußtritten und Abwehrtechniken einschließlich Befreiungsgriffen, nimmt die Verteidigung gegen Waffenangriffe (Stock, Messer und Schußwaffen) einen besonderen Stellenwert ein. Verständlich, denn der Alltag in Israel ist, wie man sich vorstellen kann, nicht frei von solchen Gefahren. Häufige Messerangriffe palästinensischer
Täter haben zur Entwicklung von unkomplizierten, aber verläßlichen Abwehr- und Kontertechniken geführt - todsicher. Daher kann Krav Maga nicht als Wettkampfsport praktiziert werden. Kampf-sportarten wie Judo, Aikido, Tae Kwon Do oder Karate verbieten im sportlichen Wettkampf Angriffe unterhalb der Gürtellinie (Geschlechtsteile, Kniescheibe und Schienbein). So werden entsprechende Abwehrtechniken gegen “verbotene” Schläge nur selten geübt. Der Straßen-
kampf kennt jedoch keine Wettkampfregeln, denn Kämpfen ist schmutzig und brutal. Für den Sicherheitsbereich mit der Erfordernis nach einer schnellen und wirksamen Verteidigung, insbesondere im Personen-schutz, bietet daher das Nahkampfsystem Krav Maga gegenüber den herkömmlichen Kampfsportarten vielfältige Vorteile. In Frankreich praktizieren viele Personenschützer diese Art der Selbstverteidigung.
Imi Lichtenfeld erfreut sich heute im Alter von 88 Jahren bester Gesundheit. Ohne Krav Maga hätte er in einem Land wie Israel dieses Alter vielleicht gar nicht erreicht. Copyright PM und PRAESIDIA DEFENCE
. Der Autor, PM, ist ehemaliger Polizeibeamter und hat an einer amerikanischen Universität “Terrorismus und politische Gewalt” studiert. Heute arbeitet er bei PRAESIDIA DEFENCE in München. | |